Wir haben uns aus mehreren Gründen dafür entschieden, eine Schule mit
sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt zu werden:
Die motorische Entwicklungsförderung war schon immer ein Schwerpunkt unserer sonderpädagogischen Arbeit. Dennoch konnten wir wie auch andere Schulen einen Zuwachs an Kindern mit motorischen Problemen feststellen.
1. Einerseits hat sich die körperliche Leistungsfähigkeit verschlechtert, z.B. geht
- den Schüler/innen schneller "die Puste" aus;
- sie sind oft nicht länger als 3 Minuten fähig ohne Stützen/Anlehnung frei zu stehen
- sie haben eine sehr schwach ausgeprägte Bewegungskoordination, die sie gegenüber Bewegungsaufgaben ängstlich macht und zu Verweigerungen führen kann.
2. Es fällt den Schüler/innen schwer, alltägliche Handlungen unfallfrei auszuführen. Es geschehen zwar weniger "gravierende" Unfälle, aber sehr viele Unfälle durch Zusammenstöße, Übersehen von Stufen, Nichtbeachtung der nächsten Umgebung beim Hantieren mit Stöcken u.a.
3. Die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt zu.
4. Es zeigen sich psychosomatische und bewegungsmangelbedingte
gesundheitliche Beschwerden wie
* Kopfschmerzen
* und Rückenschmerzen.
5. Die Konzentration lässt nach.
6. Gewalttätige Auseinandersetzungen nehmen in unserer Gesellschaft zu und spiegeln sich auch in den Schulen.
7. Die Kinder und Jugendlichen nehmen trotz allem Bewegungsangebote im allgemeinen gern wahr.
* Wir stimmen mit den Initiatoren der "Bewegten Schule" überein, dass ein Sport- und Bewegungsangebot bei den oben genannten Schwierigkeiten ein wirksames Gegenmittel ist.
Wir haben daher für alle Klassen der Unter- und Mittelstufe 3 Stunden Sport- und Schwimmunterricht in den Stundenplan aufgenommen. Für die Oberstufe konnten nur 2 Stunden eingeplant werden, dafür wird für Mädchen und Jungen getrennt
eine AG angeboten, die im vorangegangenen wie in diesem Schuljahr von Schüler/innen begeistert angenommen wurde.
* In der Unterstufe wird Rhythmik einbezogen, in der Mittelstufe "Bewegtes Theater" und in der Oberstufe zusätzlich Jonglieren angeboten.
* Außerdem bieten wir in den kleinen Pausen und in der Hofpause Bewegungsmaterial an (nach Stufen geordnet).
* Während des Unterrichts werden individuell je nach Konzentrationsstand Bewegungsmöglichkeiten angeboten
* .Den Unterricht selbst versuchen wir "bewegungsimmanent" zu gestalten
durch z.B.
o Schwungübungen vor dem und während des Schreiblehrgangs,
o Schwungübungen beim Silbieren,
o Fingerspiele
o Aufnahme des Projekts "move to learn"
o Rollenspiele u.ä. mehr
* Außerdem bemühen wir uns um den Abbau von Hemmschellen gegenüber Sportangeboten, die von der Stadtjugendpflege oder den verschiedenen Sportvereinen durchgeführt werden.
Nach zwei Jahren "Bewegter Schule" haben wir folgende Verbesserungen feststellen können:
1. Die bewegungstherapeutischen Angebote (Rhythmik, heilpädagogisches Reiten, initiierte Ergotherapie in einer Praxis) haben zu einer deutlich sichtbaren Verbesserung der Bewegungskoordination und zum Abbau von Ängsten geführt.
2. Das größere Schwimm- und Sportangebot führte ebenso zu einer Verbesserung der Koordination in der Bewegung und zum Abbau von Ängsten.
3. Die Bewegungspausen und der bewegungs-orientierte Unterricht bewirkten eine entspanntere Lernatmosphäre und einen leichten Anstieg der Konzentration.
4. Das Kletter-Angebot der Stadtjugendpflege wurde von 2 Schülern angenommen.
5. Es wurden Kontakte zu den Sportvereinen geknüpft (Fußball und Karate). Die Einhaltung der Trainingszeiten kann in diesem Jahr teilweise vom Jugendamt durch einen Sozialarbeiter unterstützt werden.
6. Die Lernbereitschaft scheint sich auch in Hinsicht der Abnahme von Schulschwänzereien zu zeigen.
7. Das gewalttätige Verhalten hat beobachtbar abgenommen.
Auf Grund dieser positiven Entwicklung werden wir die "Bewegte Schule" weiterhin ausbauen.
Wenn wir die Gelegenheit bekommen, unseren Pausenhof zu gestalten (bis Herbst wegen Bauarbeiten der Nachbarschule nicht möglich), können auch in diesem Bereich sicher viele Bewegungsmöglichkeiten ausgebaut werden. In diesem Schuljahr werden wir einen kleinen Bewegungsraum erhalten und dadurch auch "zwischendurch" ein größeres Bewegungsangebot in Anspruch nehmen können.
